2013 – Käthchen

Käthchen

frei nach Kleists Käthchen von Heilbronn 
Eingeladen zu den hessischen Schultheatertagen nach Seligenstadt Eingeladen zur Theaterwoche nach Korbach, Vorauswahl TTJ, Berlin

 

kaeth

Der Dichter Heinrich von Kleist schrieb «Das Käthchen von Heilbronn» 1807/08 als träumerisch-wunderbares Volksstück, in dem ein visionäres Gefühl, die Liebe, weissagende Träumen, Intrige, die mittelalterliche Welt mit Ritterkämpfen, Überfällen, brennende Burgen und Cherubime, die Leben retten, zu einem fantastischen Zaubermärchen vereint sind. Die Geschichte vom 15-jährigen Käthchen und dem von ihr geliebten, nahezu vergötterten Graf Wetter vom Strahl ist Kleists erfolgreichstes und zugleich geheimnisvollstes Stück. Ein romantisches Ritterdrama, in dem sich 

unterschiedlichste Motive finden, die in ihrer Gesamtheit auf die Zerrissenheit des Autors deuten. Gerade 30 Jahre alt, am Leben verzweifelt, schwankend zwischen Hoffnung und Todessehnsucht, schafft Kleist sich auf dem Papier eine „Traum-Welt“. Doch auch das hilft nicht; 1811 erschießt er sich in Berlin am Wannsee gemeinsam mit seiner „Seelen-freundin“ Henriette 

Vogel.

Mit dem Käthchen von Heilbronn hat Heinrich Kleist ein Märchen geschaffen, das ein romantisches Plädoyer für den Sieg des Gefühls über die Widrigkeiten der Wirklichkeit hält.


 

INHALT:

Reagieren müssen,

inneren Zwängen folgen müssen,

sich auf äußere Umstände einstellen müssen;

das waren die Themen der SchülerInnen, die zu Kleists Käthchen führten. Im Gegensatz zum Lebensgefühl der Jugendlichen weiß in diesem Stück das Käthchen, was sie will und ahnt, warum sie es will. Und das gegen die ganze Erwartung der Welt, vor allem der bürgerlichen Welt Heilbronns. Sie will den Grafen Wetter vom Strahl (GWS), sie will ihn, weil er ihr „vorgeführt“ wurde als ihr zukünftiger Mann. Nicht einfach so, sondern durch eine Vorhersage an Silvester beim Bleigießen, durch eine Bestätigung im Traum, in Begleitung eines Engels. Und auch wenn GWS sehr unmenschlich mit ihr umgeht und ihr oft die Schamesröte ins Gesicht treibt. besonders am

 

des Dramas, als Käthchen geheiratet werden soll, nichts davon weiß und immer noch davon ausgeht, dass Kunigunde die rechte Braut sei. Hier gab es viele Diskussionen um Kleists Frauen(wunsch)bild, die Rolle von GWS und die Konsequenzen für die beiden Frauen, Kunigunde und Käthchen.

Kunigunde, die verführerische Schönheit, die die Männer versteht, sich für sie schön macht und damit sich ihnen unterordnet, etwas Konkretes von ihnen will, ihnen etwas vorspielt. Käthchen aber kann nicht spielen, aber sie versteht zu lieben, oder? Der Graf reagiert zunächst nur. Das muss so sein, weil er glaubt zu handeln. Er glaubt sich zwischen Käthchen und Kunigunde entscheiden zu müssen. Aber der Ritter weiß nicht wirklich, wie ihm geschieht. Die Frage ist: Wie äußert sich die Liebe? Wie viel Gewohntes, wie viel Klischee braucht sie, um erkannt zu werden? Was macht Liebe aus?


 

FORM:

Die TEGS wählen für ihre Umsetzung die Form der „Lecture Performance“, die aus zwei Teilen besteht, dem Vortrag und der Performance bzw. demTheaterspielen. Die SchauspielerInnen beschäftigen sich zuerst lesend mit einem Text, dabei kommt es schon zur Übernahme von Rollen z.B. als lesende Studenten, mehr oder weniger wissend, mehr oder weniger aufgeregt, eine „gespielte Demonstration“. Erst danach bebildern sie mit Requisiten ihr Spiel mit den Rollen des Textes. Diese Ebenen wechseln immer fort und der Zuschauer erhält Einblick in den Prozess der Auseinandersetzung mit Kleists Text. Am Ende dann die Performance,

 

mehr wird nicht verraten…


 

Wenn es eine Stadt gibt,
in der im Theater JEDES Jahr
ein Stück von Kleist gespielt wird
– da zög ich hin

Martin Walser