2018 – Geld oder Leben


2018 – Geld oder Leben

„Würden die Menschen das Geldsystem
verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor
morgen früh.“
Henry Ford

Jeder, der glaubt, dass exponentielles Wachstum auf
einem begrenzten Planeten unendlich weitergehen
kann, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom“
— Kenneth Boulding

THEMEN:

Ungerechtigkeit, Misstrauen, Angst, Ungleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich, die zunehmende Ungerechtigkeit der Auswirkungen der Globalisierung – das waren die Themen, mit denen die TEGS im letzten Jahr in die neue Produktion gestartet sind. Mit Besuchen bei der Tafel und der spielerischen Auseinandersetzung mit dem dort Erlebten auf der Bühne kamen immer mehr Fragen nach den Ursachen. Warum sind wenige Menschen so unermesslich reich und andere haben überhaupt keine Chance? Warum geht es der Wirtschaft in Deutschland immer besser, aber gleichzeitig werden Wohnung unbezahlbar? Bei Helmut Creutz, Günther Moewes, Margret Kennedy und Thomas Piketty holten sich Eleonora Venado, Luis Wellenreiter und die TEGS die Informationen, die sie dann im Stück „Geld oder Leben?“ verarbeiteten.

ZIEL:

Die TEGS beziehen Position und sind der Meinung, dass die Aufklärung über unser Geldsystem automatisch viele weitere Fragen beantwortet, die sich nicht nur die TEGS gestellt haben z.B. „Warum haben wir immer weniger Bäume und immer mehr Geld?“ Helmut Creutz sagte in seinem Buch „Das Geldsyndrom“ „eine gerechte Welt basiert auf einem gerechtem Geld“. Mit großer Präzision und Sachverstand analysiert er die Fakten und öffnet sogar für Schüler spannend und beeindruckend die Augen über das zentrale aber tabuisierte Thema „Geldsystem“. Die TEGS wollen helfen, dass dieses Wissen um Zins und Verschuldung sich verbreitet, bevor das Geldsystem zusammen bricht. Denn im Grunde fordert Helmut Creutz von einer sehr machtvollen Minderheit einen Machtverzicht zu Gunsten der übrigen 95% der Bevölkerung in einer Zeit, in der mit Vermögen sehr bald nicht mehr alles Mögliche getan werden kann, wenn unsere Welt eine Zukunft haben soll. Die TEGS hoffen auf eine Geldreformidee, die hoffentlich bald nicht nur mutige Politiker und Ökonomen, sondern alle erreicht. Die TEGS wollen mit ihrem Stück ein freies Angebot und Denkanstöße geben, die dem Publikum völlig offen lässden, was es selber daraus macht. Die TEGS wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie unser Geldsystem funktioniert, und warum systembedingt Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden. Wichtig ist auch, dass jeder einzelne einen Einfluss darauf hat, auch wenn einem die Politik in Berlin oft so weit entfernt vorkommt.

INHALT:

Eine Gruppe von Jugendlichen befindet sich auf einem U-Boot und denkt über die Welt nach. Von Hunger getrieben planen sie einen Banküberfall in Frankfurt. Leider tauchen sie in Offenbach auf und müssen mit der S Bahn zum HBF. Dort erleben sie einen Terrorangriff und beschließen ab jetzt Gutes zu tun und bei der Tafel
zu helfen. Von den Erfahrungen geprägt, wollen sie erst mal zu McDonald’s und fragen bei der Bank nach einem Kredit. Empört verlassen sie diese wieder, als sie erfahren wie Geldschöpfung funktioniert. Sie versuchen zu arbeiten – Musik zu machen, erhalten aber nur wenig Gage für ihre Kunst. Aufmerksam geworden auf die Ungerechtigkeit der Vermögensverteilung wollen sie jetzt die Reichen beklauen und zur Umverteilung zwingen. Zu diesem Zweck reisen sie nach Berlin und befragen Finanzminister Scholz, wer die Reichen sind und woher ihr unermesslicher Reichtum kommt. Die wenig erschöpfenden Auskünfte und der Hinweis, dass die Reichen im Finanzministerium ja ein- und ausgehen führen zum Showdown beim Sektempfang. Das Stück endet mit neuem Nachdenken im U-Boot.

STATEMENTS:

Weder in meiner Familie noch in meinem Umfeld, gibt es Menschen, die große Geldprobleme haben. Bei der Tafel hab ich erfahren, dass genau das für viele schon jahrelang ein Problem ist, sie können weder Essen, noch Wohnung, noch Bildung für ihre Kinder bezahlen. Wie soll man denn von 70 Euro Schulgeld einen Ranzen, Turnbeutel, Turnschuhe, Stifte, Hefte Farbkasten, Zeichenblock usw für einen Erstklässler finanzieren. Auch, wenn ich durch meine Eltern eine gewisse Sicherheit habe, macht mir das Angst. Corina
Unser System des Kapitalismus bringt für uns in Deutschland viele Vorteile. Aber es ist wirklich sehr erschreckend, wie viel Leid es für Millionen von Menschen in der sogenannten dritten Welt weltweit bringt. Je mehr wir besitzen desto größer wird die Distanz zu Entwicklungsländern oder Drittstaaten. Ich denke, irgendwann wird es wie beim Platzen der Spekulationsblase 2008 zu einem weiteren Crash kommen, wenn unsere Entwicklung so weiter geht , das macht Angst und birgt eine große Gefahr. Wer weiß, vielleicht gibt es eine Wende und wir finden eines Tages ein Wirtschaftssystem das besser als der Kapitalismus ist? Bis dahin sollte man mit einer für beide Seiten fairen Umverteilung des Vermögens beginnen. Tim

Es kann doch nicht sein, dass die Armen immer ärmer werden und die Reichen immer reicher und dass die Mittelschicht langsam verschwindet!! Wieso wird das zugelassen? Werde ich auch mal über mein Überleben kämpfen müssen, während andere in Bali surfen und in New York shoppen gehen? Werde ich meinen Kindern später auch nur annähernd das bieten können, was meine Eltern mir geboten haben? Wenigstens eine Grundexistenz? Oder werde ich drei Jobs haben müssen, um meine Rechnungen zu bezahlen? Und was ist mit meinen Eltern? Ihre Rente wird nicht zum Überleben ausreichen. Wieso bekommt mein Vater nu eine miserable Rente, obwohl er seit über 40 Jahren der Bevölkerung als Krankenpfleger geholfen hat, während irgendwelche Schnösel schon die Zukunft ihrer Urenkel gesichert haben, ohne jemals richtigselbst gearbeitet zu haben? Belma

…Ich finde es einfach nur noch erschreckend wie die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet und das auch noch positiv dargestellt wird. Es gibt jetzt schon weltweit ca. 30 Millionen Menschen, die über ein Vermögen von mehr als 1 Million US-Dollar verfügen, während ca. 815 Millionen Menschen unter Armut leiden und deshalb hungern müssen und sogar 2 Milliarden an Mangelernährung erleiden…Marisa

Das, was mich am meisten schockiert ist die Macht, die man durch Geld erlangen kann. Der Geld hat, kann auf riesige Menschenmassen Einfluss nehmen, nur seine Meinung wird von Politikern gehört und er kauft alles auf, was aufzukaufen geht. Wer viel Geld hat bekommt immer mehr und es wirkt so, als würde er Leiden und Ungerechtigkeiten anderer Menschen in Kauf nehmen, z.B. wenn Mitarbeiter nicht an den Gewinnen und dem riesengroßen Umsatz beteiligt werden. Manche sagen, jeder sei selbst verantwortlich, was er arbeite und wieviel er verdiene. Aber Arbeitsplätze werden immer weniger und Wachstum auch. Was haben denn die geleistet, denen ein großes Erbe in den Schoß fällt, bei dem noch nicht mal die Zinsen besteuert werden. Auch Bildung hängt extrem vom Geldbeutel ab. Ich merke ja selbst, wie schwierig es ist ein Studium zu finanzieren….Mirija

Wieso kommt Reichtum nicht bei den Menschen an, die ihn brauchen? Bis ich ihm Rahmen dieses Stückes angefangen habe, mich mit unserem Geldsystem zu beschäftigen, war mir die Antwort auf diese Frage unklar. Die Menschen, die wirklich steinreich sind, mehrere Milliarden schwer, haben sich das nicht alles zusammengearbeitet, sie nutzen dafür mehrere Umverteilungsmechanismen aus, die in unserem System angelegt sind, z.B. den Zins. Das Problem ist, dass wir in unserem Leben von versteckten Zinsen belastet werden. Wenn ein Unternehmen einen Kredit aufnimmt, um eine Fabrik aufzubauen, dann muss es für das geliehene Geld Zinsen zahlen. Diese Zinsen rechnet sie dann in die Produktkosten mit ein und der Endverbraucher, also wir, zahlen am Ende diese Zinsen mit. Folglich haben wir in unserem System durch die Zinsen eine permanente Umverteilung von Arm nach Reich. Das merken wir ganz besonders daran, dass wir eine wirtschaftliche Erfolgsmeldung nach der anderen hören, aber gleichzeitig wird es für viele Menschen immer schwerer über die Runden zu kommen. Eigentlich sollte die Politik durch so etwas wie eine Reichensteuer für eine Zurückverteilung des Reichtums sorgen und so faire Verhältnisse schaffen. Daran scheitern die Politiker aber schon seit Jahren. Man sieht in der Bevölkerung, dass der Unmut gegen das System wächst. Parteien wie die AFD erstarken und Volksparteien wie CDU und SPD verlieren an Stimmen. Ich hoffe dieses Stück animiert dazu, sich selbst mit der Thematik auseinanderzusetzen und das Gesagte selbst nachzuprüfen und zu recherchieren. So wie es im Moment läuft, geht es nicht mehr lange gut und ein Umdenken muss stattfinden. Luis

 

SpielerInnen:

Belma Dizdarević
Josi Döring
Mirija Fahm
Niko Hacic
Tobias Kratz
Lukas Marschhausen
Marisa Meitzler
Corina Melzer
Jonas Neff
Eileen Weinelt
Tim Wölfelschneider

Musik:

Marvin Rose – Tobias Kratz – Jonas Karg

Technik:

Thomas Venado – Jochen Reeg – Niko Hacic

Spielleitung:

Eleonora Venado, Assistenz: Luis Wellenreiter

DANKSAGUNG

➢ der Stiftung der Sparkasse Odenwaldkreis für 25 Jahre Förderung unserer Arbeit
➢ dem CCH Blau/Gelb Höchst und Frank Wiesner für die großartige Kooperation
➢ Hans-Peter Bünting und Ansgar Weber für Film- und DVD-Produktion
➢ Robert Dicks für sein Engagement und seine überragenden Fotos
➢ Erik Schäfer ehemaliger TEGSler, heute Künstler, Designer und Illustrator
fromerikwithlove.com für die Gestaltung des Plakats
➢ unserem Förderverein Spiellust e.V. und seinen Mitgliedern
➢ den Eltern der TEGS für ihre geduldige Unterstützung
➢ der Schulleitung und den Kolleginnen und Kollegen der EGS für ihr Verständnis
bei allen Sonderwünschen
➢ Henning Fritsch, Berlin für viele Jahre genialen theaterpädagogischen und
künstlerischen Input

 

Als ich das Buch das Geldsyndrom gelesen habe, war das für mich eine Offenbarung. Als Biologielehrerin habe ich mich oft gefragt, warum Konzerne und ihre Besitzer oft so zerstörerisch mit der Umwelt umgehen. Die Erkenntnis, dass das exponentielles Wachstum der Vermögen einzelner die Ausbeutung der anderer Menschen und der Natur bedingen MUSS, hat mich schockiert. Sehr gerne und voller Energie habe ich mit Luis Wellenreiter und den TEGS diese Produktion erstellt.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Unterhaltung.
Eleonora Venado und die TEGS